Das Kunstprojekt |parallele landschaft| möchte mit ästhetischen Mitteln die Frage nach der Bedeutung von Natur in unserer Zeit stellen.
Inspirierend für diese Idee ist der spezielle Ort der künstlerischen Intervention. Zum einen liegt das Projektgelände parallel zum Pfrunger-Burgweiler Ried, einem 2600 ha großen Moorgebiet, das seit dem Jahr 2014 in einem Vernässungs-Projekt in ein Naturschutzgebiet umgewandelt wurde. Zum anderen liegt das Gelände parallel zu landwirtschaftlichen Ackerflächen, die konventionell bewirtschaftet werden.
Zum einen wird der biologischen Evolution aller Lebewesen im Ried freier Lauf gelassen, menschliche Eingriffe gibt es somit nicht. Auf der anderen Seite steht das von Menschen gelenkte, ergebnisorientierte Bearbeiten von Land.
Das Gelände, Wiesen im Ried, wird von der Gemeinde Wilhelmsdorf zur Verfügung gestellt. Das Ausstellungsgelände schließt unmittelbar an die Großinstallation des Künstlers Nils-Udo an, die im Jahr 2004 mit Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg ermöglicht wurde und zu dem von Christiane Lehmann im Jahr 2000 initiierten LandArt Kunstweg gehörte, der 2005 aufgegeben werden musste.
Der Kunstweg ist Teil der RegioKunstwege, Kunst an 1000 Orten in Deutschland und der Schweiz‘ www.regio-kunstwege.eu
Die Wilhelmsdorfer Künstlerin Christiane Lehmann hat das Konzept der ‚parallelen landschaft’ 2013 entwickelt und den Kunstweg bis ins Jahr 2026 organisiert.
Das Projekt war ein Ressort des Kulturvereins Wilhelmsdorf e.V.
Vom Parkplatz Eulenbruck an der Riedstrasse ca. 700 m nördlich des Naturschutzzentrums ist der Weg ausgeschildert.
Kunstkarten der Werke sind im Naturschutzzentrum erhältlich.
Folgende Kunstwerke sind noch in der Landschaft zu entdecken
Christiane Lehmann, `Heimatplanet lieben´
Der Installationstitel ist nicht nur ein poetisches Bild. Er ist ein philosophischer Vorschlag für ein neues Verständnis von Zugehörigkeit. Er erinnert uns daran, dass wir alle Reisende auf demselben Raumschiff sind: verletzlich, abhängig, miteinander verbunden. Wir besitzen die Erde nicht, sondern werden von ihr gehalten.
Am Kunstweg ‚parallele landschaft‘ wird sich von März bis Oktober 2026 die Installation prozesshaft verwandeln.
Vera Staub, `verNETZt in rot´
Zum 200jährigen Jubiläum von Wilhelmsdorf symbolisiert die Installation aus Baumwollfäden die enge Verbundenheit mit dem Ried. Wie ein Netz aus Blutgefäßen spannt sie sich um die Metallstangen und verbindet sich mit den Birkenstämmen am Boden (2024).
Christiane Lehmann, `TÖNEnde landSCHAFFT´
Eine Klanginstallation der Künstlerin Christiane Lehmann aus den Gesängen von teilweise verschwundenen oder gefährdeten Singvögeln (2023), aufgeführt in der alten Torfstecherhütte beim Gartenprojekt des Kunstweges.
Das Projekt wurde finanziert durch die Coronahilfen für Kunstschaffende des Landes Baden-Württemberg.
Christiane Lehmann, `Trauriger Walhai Nr.7372´
Wissenschaftliche Untersuchungen haben festgestellt, dass ein Plankton filternder Wal ca. 1 Million Teile Mikroplastik pro Tag zu sich nimmt. Mikroplastik ist in der Nahrungskette angekommen (2023).
Hans-Jürgen Kossack, `Denkmal der gefallenen Insekten´
Der Rückgang der Artenvielfalt und der Biomasse von Insekten ist dramatisch. Das Denkmal erinnert an ihren fundamentalen Beitrag zum Funktionieren des Lebens auf der Erde (2020).
Christina Fritzsching/ Annete Würz-Kessler, `intuitive gardening´
In der Ästhetik der „Urban Gardening Bewegung“ entstand eine Garteninstallation, die Feld- und Gartenfrüchte im Lauf der Jahreszeiten zeigt. Ein Ort des Verweilens, bei dem die ‚Schönheit des Gemüses beim Wachsen‘ betrachtet werden kann (2013). Seit 2017 wird das Gartenprojekt von Annette Würz-Kessler betreut und mit Pflanzen bestückt, die bienenfreundlich sind.
Christiane Lehmann, `bluelab 001´
Ein blautransparenter Kunststoffzylinder umschließt eine gefallene, aber noch verwurzelte Birke, deren Zweige in ungewöhnlicher Richtung zum Licht wachsen. Die künstliche Hülle könnte ein Schutz sein, aber auch eine starke Entfremdung zeigen. Werden die sich neu entfaltenden Triebe stark genug sein, die Wand zu durchbrechen oder werden sich die neuen Zweige an die künstliche Architektur anpassen (2013)?
Der Baum hat die Hülle gesprengt, ein Herbststurm die Zerstörung fortgesetzt. Inzwischen hat der Biber einige der Triebe abgenagt und zum Bau seines benachbarten Dammes genutzt.
Christiane Lehmann, `Die Biber kommen´
In unermüdlicher Arbeit verändert der Biber die Landschaft des Pfrunger Riedes, in das er vor wenigen Jahren wieder eingewandert ist. Weltweit sterben täglich etwa 130 Arten aus. Der Biber jedoch ist zurückgekehrt (2016).
Nils-Udo, `Gesang der Geister über den Wassern´
Die von der Landesstiftung Baden-Württemberg finanzierte Großinstallation „Gesang der Geister über den Wassern“ von Nils- Udo ist im neuen Kunstprojekt, dem Kunstweg |parallele landschaft|, integriert und hat sich weitgehend in die Natur eingefügt, was von Nils-Udo so konzipiert worden war.
Archiv
Hier ein paar Eindrücke zu früheren Installationen des Kunstwegs |parallele landschaft|